Von Silke Wortel
Der Motor röhrt, und er röhrt laut. "Infernalisch laut", sagt Dirk Reitz. Er ist Geschäftsführer der Aachener Studentenwerke und hat vor zwei Jahren den riesigen röhrenden Motor angeschafft: Ein Blockheizkraftwerk, das gleich vier Wohnheime mit rund 1.500 Studenten warm hält - und dessen lauter 12-Zylinder-Motor zum Glück hinter dicken Stahlbetonwänden steht. Die Technik rechnet sich, sagt Dirk Reitz. Klimatechnisch und auch sonst.
Blockheizkraftwerke nutzen das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK): Mit Hilfe eines Otto- oder Dieselmotors wird Strom erzeugt, die dabei entstehende Wärme verpufft aber nicht einfach, sondern heizt Gebäude und sorgt für Warmwasser. Das Aachener Studentenwerk nutzt die Wärme direkt, den Strom verkauft es an die Stadtwerke. "Und da wir Biogas nutzen und damit CO2-neutral sind, bekommen wir noch einmal extra staatliche Zuschüsse", sagt Dirk Reitz. Die 1,4 Millionen-Euro-Investition soll schon in einigen Jahren refinanziert sein. Für die Studenten heißt das: Die Mieten sind sicher, zumindest werden sie nicht wegen steigender Energiekosten erhöht.
Entscheidender Vorteil im Vergleich zur zentralen Stromversorgung aus großen Kraftwerken ist der so genannte Wirkungsgrad. Beim Blockheizkraftwerk werden bei optimalen Verhältnissen über 90 Prozent der zugeführten Energie – meist Gas oder Öl – in Strom und Wärme umgewandelt. Konventionelle Kraftwerke kommen meist nur auf einen Wirkungsgrad von etwa 40 Prozent, der Rest verpufft. "Dort, wo von reiner Verbrennung auf KWK umgestellt wird, können zehn bis 30 Prozent der Energiekosten gespart werden", sagt Adi Golbach, Geschäftsführer des Bundesverbands Kraft-Wärme-Kopplung.
Blockheizkraftwerke versorgen derzeit meist Industrie- oder Wohnanlagen sowie Schwimmbäder und Krankenhäuser. In dieser Größe haben sie eine elektrische Leistung von mehreren hundert Kilowatt. Aber auch für normale Wohnhäuser gibt es sie, für unter drei kW im Waschmaschinen-Format. Die Szenerie der Visionäre klingt gut: Nicht wenige große Atomkraftwerke sollen Deutschland mit Strom versorgen, sondern viele dezentrale effiziente Blockheizkraftwerke, die in kleinen Einheiten Stadtteile, Wohnblocks oder sogar einzelne Häuser versorgen.
Strom einfach zuhause aus dem Mini-Kraftwerk im Keller? Klingt gut, ist aber nicht in jedem Fall die energiesparendste Möglichkeit, sagt Joachim Frielingsdorf von der Energie Agentur NRW. Wichtig sei in jedem Fall eine genaue Analyse. Für moderne, gut isolierte Wohnhäuser könnten auch die kleinsten Versionen noch überdimensioniert sein. Und wenn nicht, dann schreckt viele der Preis von rund 25.000 Euro allein für die Anschaffung. Für größere Wohn- oder Gewerbeanlagen seien Blockheizkraftwerke dagegen oft ideal, sagt Frielingsdorf. "Effizienter, effektiver und ökologischer. Die Energie wird besser genutzt, und weil man weniger davon braucht, fallen die CO2-Emissionen – je nach Brennstoff - vergleichsweise geringer aus.“
Für die Politik genug Gründe, den Ausbau der dezentralen und klimafreundlichen Technologie zu fördern. 2007 formulierte die damalige schwarz-rote Bundesregierung ehrgeizige Ziele. Bis 2020 soll ein Viertel des Stroms in Deutschland aus Kraft-Wärme-Kopplung gewonnen werden. Helfen soll das gleichnamige "Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz", das den Bau und Betrieb von entsprechenden Anlagen fördert. Die Koalition versprach sich davon eine Einsparung beim Kohlendioxidausstoß von mindestens 20 Millionen Tonnen pro Jahr. NRW will dieses Ziel "durch eine Landesquote von mehr als 25 Prozent flankieren", kündigte Energieminister Johannes Remmel an. Noch beträgt die Quote in NRW nach Angaben seines Ministeriums etwa zehn Prozent, bisher gebe es rund 3.400 Anlagen. Remmel verspricht eine bessere Förderung und will "bestehende Investitionshemmnisse beim Ausbau der KWK auflösen".
Was da hemmt, das sei vor allem die drohende Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken, sagt Adi Golbach vom Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung. Diese Pläne verunsicherten potenzielle Investoren. “Wenn es zur Verlängerung kommt, dann würde es einen starken Druck geben, dass Atomkraftwerke möglichst viel Geld verdienen können. Alternative Energien verkürzen deren Erträge aber. Das wird noch ein Hauen und Stechen geben." Golbach fordert statt verbaler Bekundungen "etwas Handfestes", Bonuszahlungen etwa oder längere Förderzeiträume. Denn schon jetzt trauten sich viele nicht mehr, Geld für Kraft-Wärme-Anlagen in die Hand zu nehmen.
Viele, nicht alle. Dirk Reitz und seine Mitarbeiter vom Aachener Studentenwerk haben nach ihren guten Erfahrungen schon das nächste Blockheizkraftwerk in Auftrag gegeben. Es soll Anfang 2011 fertig sein.
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Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) ist die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme. Die mechanische Energie, die vom thermodynamischen Prozess abgeführt wird, wird in der Regel direkt mit Hilfe eines Generators in elektrische Energie umgewandelt. Das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung beruht darauf, die Wärme, die als Abwärme in den Kraftwerken entsteht, zu nutzen. Durch diese Kopplung kann die in einer KWK-Anlage (z. B. einem Blockheizkraftwerk) eingesetzte Energie (z. B. Heizöl, Erdgas) sehr viel effizienter genutzt werden als bei der herkömmlichen Erzeugung in getrennten Anlagen. Hauptvorteil ist neben einem geringeren Kohlendioxidausstoß, dass in erheblichem Umfang Primärenergie eingespart wird.
Ein Blockheizkraftwerk (BHKW) erzeugt Strom und Wärme nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung. Als Antrieb werden Verbrennungs- oder Gasmotoren verwendet, Kraftstoffe sind Heizöl, Pflanzenöl oder Biodiesel (beim Dieselmotor), Erdgas oder Biogas beim Ottomotor. Der erzeugte Strom kann vor Ort verbraucht oder auch ins Stromnetz eingespeist werden. Der Einsatz der erzeugten Wärme ist nicht ausschließlich auf Heizzwecke beschränkt, sondern wird auch zur Erzeugung von Prozesswärme wie Dampf oder Heizluft genutzt. Übliche Blockheizkraftwerke haben elektrische Leistungen zwischen fünf Kilowatt und fünf Megawatt. Bis 50 kW spricht man auch von Mini-Blockheizkraftwerken, unter 10 kW von Mikro-Blockheizkraftwerken.
08.12.2010, 06:00 Uhr
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