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Bonner Forscher entdecken Planeten aus Diamant

Wertvoller Fund im All

Ein internationales Forscherteam hat einen Planeten entdeckt, der wahrscheinlich aus Diamant besteht. Beteiligt an dem Fund: der Bonner Wissenschaftler Michael Kramer. Welche Erkenntnis bringt die Entdeckung? Steht gar ein El Dorado im Weltraum bevor? WDR.de hat nachgefragt.

Es klingt wie der Ausgangspunkt eines Science-Fiction-Thrillers: Astronomen haben einen Planeten entdeckt, der wahrscheinlich zum Großteil aus Diamant besteht. Michael Kramer, Forschungsgruppenleiter am Bonner Max-Planck-Institut für Radioastronomie, war Teil des 18-köpfigen Forscherteams.


WDR.de: Herr Kramer, dieser Planet, den Sie entdeckt haben, ist 4.000 Lichtjahre entfernt. Wie stößt man auf einen solchen Himmelskörper?

Michael Kramer: Wir führen momentan eine systematische Suche des gesamten Himmels nach sogenannten Pulsaren durch. Das sind Überreste von massenreichen Sternen, die in sich zusammengefallen sind und im Wesentlichen aus sehr dichter Materie bestehen - so dicht, wie wir sie hier auf der Erde gar nicht erzeugen können. Immer, wenn wir einen solchen Pulsar gefunden haben, suchen wir gleichzeitig auch nach Begleitsternen. So sind wir auf diesen Planeten gestoßen.


WDR.de: Wie muss man sich das als Laie eigentlich vorstellen? Sitzen Sie am Teleskop und rufen plötzlich: "Hoppla, da schwebt was!"?

Kramer: So ähnlich. Wir haben ein internationales Team mit Kollegen aus Australien, den USA, Großbritannien und Italien. In diesem Fall war es die Kollegin aus Australien, die hat am Teleskop einen neuen Pulsar beobachtet. Den haben wir dann gemeinsam weiterverfolgt und irgendwann festgestellt: Der hat einen Begleiter. Das alles ist noch relativ gängig. Das Spannende war, als wir festgestellt haben, wie leicht der Begleiter ist. Da wird man als Astronom hellhörig, und die Anzahl der E-Mails, die dann um den Globus gingen, war relativ hoch.


WDR.de: Wie groß ist denn dieser Stern? Gibt es Vergleichsgrößen?

Kramer: Es ist kein großer Himmelskörper, er ist ungefähr vergleichbar mit unserer Erde. Allerdings ist seine Dichte sehr interessant, weil sie um ein Vielfaches höher ist als die des Jupiters.


WDR.de: Wieso gehen sie jetzt davon aus, dass dieser Begleitstern aus Diamant besteht?

Kramer: Aufgrund der Masse und der Größe des Objekts können wir seine Dichte abschätzen. Außerdem wissen wir, dass der Planet im Grunde nur aus einem Vorgängerstern entstanden sein kann. Das, was übrig geblieben ist, kann nur aus Kohlenstoff bestehen. Helium oder Wasserstoff wären auch noch in Frage gekommen, aber das hätte nicht zu den errechneten Dichten gepasst. Da Diamanten besonders dichte Kohlenstoff-Kristalle sind, gehen wir aufgrund unserer Daten davon aus, dass der Planet aus Diamant besteht.


; Rechte:dpa/Matthew Bailes

Ein dichter Stern wird zu einem neuem Planeten

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WDR.de: Welche Erkenntnis bringt diese Entdeckung?

Kramer: Was wir als Astronomen aus dieser Entdeckung lernen, ist, dass wir verstehen, wie häufig sogenannte kleine Objekte wie Planeten um solche Pulsare entstehen. Wir lernen außerdem etwas über die Entwicklung von Sternen und wie häufig solche Objekte geformt werden. Bisher hatten wir nur einen einzigen solchen Fall in der Milchstraße, der ist vor 20 Jahren entdeckt worden. Uns war immer ein Rätsel, warum wir bislang noch nicht mehr solcher Objekte gefunden haben. Mit dieser aktuellen Entdeckung können wir die Entstehungseigenschaften des Systems besser nachvollziehen.


WDR.de: Können Sie das etwas näher erläutern?

Kramer: Im vorliegenden Fall hat das System mit einem sehr massenreichen Stern und einem wesentlich leichteren Stern angefangen. Der massenreiche Stern hat sich irgendwann mit einer gewaltigen Explosion in einen Pulsar umgewandelt, der leichtere Stern gab Materie an diesen neuen Pulsar ab. Übrig blieb der Kern, von dem wir glauben, dass er aus Diamant besteht.


WDR.de: Heißt die Entdeckung eines neuen Planeten, dass sich unser gängiges Planetensystem verändert?

Kramer: Nein, das Objekt liegt weit außerhalb unseres Sonnensystems. Für diesen Bereich ist die Definition, was als Planet gilt, noch nicht abschließend geklärt. Die gängigste Theorie beruht auf Masse. Und der neu entdeckte Himmelskörper hat eine zehn- bis zwanzigmal höhere Masse als Jupiter. Das ist der Grund, warum wir von der Entdeckung eines neuen Planeten sprechen.


WDR.de: Gibt es solche Himmelskörper, bei denen sie aufgrund der hohen Dichte davon ausgehen, dass sie aus Diamant bestehen, auch in unserem Sonnensystem?

Kramer: Nein, in unserem Sonnensystem kennen wir nur die gängigen Planeten wie Mars, Venus, Erde und so weiter.


WDR.de: Wir müssen also nicht mit Horden an Diamantschürfern im Weltall rechnen?

Kramer: (lacht) Nein. In unserem Sonnensystem gibt es das nicht. Und der neu entdeckte Planet wäre zu weit entfernt.

Das Interview führte Sven Gantzkow.





Kommentare 

Bisherige Beiträge

Günther Faust vor 40 Woche(n)
Es gibt keine dumme fragen; nur dumme Antworten.
was wäre wenn vor 40 Woche(n)
die Hälfte dieses Forschungsetats für den Hunger in der Welt oder für Soziale Projekte ausgegeben werden könnte...?!
Phill vor 40 Woche(n)
@Stephan die universale Höchstgeschwindigkeit ist aber die Lichtgeschwindigkeit. Schneller geht es definitiv nicht. Und selbst wenn man eines Tages diese unglaubliche Geschwindigkeit näherungsweise mit einem Raumschiff erreicht, würde die Reise +4000 Jahre dauern. Ein quasi unmögliches Projekt.
Saul vor 40 Woche(n)
... man stelle sich mal den Safe vor in ihn den die Gierigen verfrachten würden ...
peterle vor 40 Woche(n)
Nix wie hin, mit Hammer und Meißel.
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