Von Stefanie Hallberg
Etwa 80.000 junge Menschen in Nordrhein-Westfalen werden dieses Jahr die Hochschulreife erwerben. Nur rund ein Viertel der Studienberechtigten fühlt sehr gut oder gut über Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten informiert. Viele, die ein Studium beginnen, wechseln schnell wieder das Fach oder wollen gleich ganz aufgeben. Jeder fünfte Student bricht sein Studium dann auch ab, ohne einen Abschluss in der Tasche zu haben. Dabei spielen laut einer Studie der HIS vor allem drei Gründe eine Rolle: Die einen haben Schwierigkeiten, ihr Studium zu finanzieren. Andere haben die Anforderungen an das Studium falsch eingeschätzt und sind wegen Überforderung gescheitert. Und fast jeder fünfte Abbrecher hatte sich mit falschen Erwartungen eingeschrieben und verlor später die Motivation.
Um den Schulabgängern bei immerhin mehr als 2.800 Studiengängen in NRW den Durchblick über Angebote der Unis, die Wahl des Fachs und den Einstieg ins Studium zu erleichtern, haben die Hochschulen zahlreiche Angebote entwickelt.
Die Bergische Universität Wuppertal bietet Oberstufenschülern etwa drei Mal pro Semester ein Entscheidungstraining an. Dabei geht es weniger darum, Informationen zu Studiengängen zu vermitteln. Vielmehr sollen junge Leute in dem zweitägigen Seminar lernen, fundierte Entscheidungen sicher zu treffen. „Viele möchten einen Job, der sicher ist und mit dem sich gut Geld verdienen lässt“, sagt Brigitte Diefenbach, Studienberaterin an der Uni Wuppertal, „doch diese Vorstellung ist zu vage, um die richtige berufliche Wahl zu treffen.“ Sie müssten Schritt für Schritt konkretisiert werden.
In die gleiche Richtung zielen Online-Tests wie Borakel, die viele Unis anbieten. Mit diesem Self-Assessment können junge Leute mehr über ihre Stärken, Schwächen und Interessen herausfinden. Studienberater weisen aber darauf hin, dass dieser Test allein nicht reicht, um die Entscheidung zu treffen, welchen beruflichen Weg man künftig einschlagen möchte. „Sie sind aber eine gute Basis für eine weitere Beratung“, so Josef König, Studienberater an der Ruhr-Uni Bochum.
„In der Schule wird ganz anders gearbeitet als an der Uni“, sagt Wolfgang Loggen, der an der RWTH Aachen rund ums Studium berät. Es werde viel mehr Stoff in viel kürzerer Zeit vermittelt. Das habe sich mit Einführung des Bachelor noch verschärft. „In einem System, das auf Freiwilligkeit und nicht Pflicht basiert, ist es wichtig, sich organisieren und motivieren zu können.“ Einen Eindruck vom Hochschulalltag bieten Informationstage. Lehrende, Studenten und Studienberater stellen Studiengänge vor, öffnen Räume und Labore, beantworten Fragen oder halten Vorträge.
Was macht eigentlich so ein Forscher den ganzen Tag? Wie sieht das Studentenleben wirklich aus? Soll ich mich für das Fach Mathe bewerben? Spezielle Vorlesungsangebote ermöglichen Schülern, in ein großes Spektrum an Fächern hineinschnuppern. „In Bochum können leistungsstarke Schüler auch schon nebenher studieren und Scheine machen, die ihnen später anerkannt werden“, sagt der dortige Studienberater Josef König. Sehen, staunen, verstehen – unter diesem Motto will die RWTH Aachen junge Menschen möglichst früh an die Uni heranführen. Angebote wie „Uni-Hits“, Kinder-Uni und Ferienfreizeiten richten sich bereits an Zehn- bis Dreizehnjährige. Um auch Leute in entfernten Regionen zu erreichen, fuhr der Uni-eigene Science-Truck neun Jahre lang durch das Land und erreichte Tausende von jungen Menschen, bis er wegen Altersschwäche nicht mehr einsetzbar war.
Informationen des NRW-Wissenschaftsministeriums
Hochschul-informations-System GmbH (HIS)
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