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Verunsicherung vor Start der Gemeinschaftsschulen

Anlaufprobleme beim Schulversuch

Von Stephan Lüke

17 Gemeinschaftsschulen sollten im Sommer in NRW ihre Pforten öffnen. Doch während in Ascheberg der Andrang alle Erwartungen übertrifft, breitet sich in einigen anderen Kommunen Verunsicherung aus.

Schüler und Eltern vor Schuleingang; Rechte:dapd/Volker

Genug Interesse am Schulversuch?

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Seinen Abschied aus dem Modellversuch des Landes musste in der vergangenen Woche Sprockhövel verkünden. Nur 45 Kinder wurden von ihren Eltern angemeldet. Notwendig sind mindestens 69. Man werde das Konzept im Auge behalten, verspricht die Kommune. Doch bei den jetzt betroffenen Familien ist die Ernüchterung groß.


Für Gemeinschaftsschulen bleiben nach dem Rückzug Sprockhövels damit noch 16 Standorte. Nach Ansicht des Schulministeriums wird die Zahl nicht weiter sinken. Zumindest nicht wegen zu geringer Anmeldezahlen, muss hinzugefügt werden. Denn mancherorts macht sich Verunsicherung bei Eltern und Schulträgern breit. Beispiel Finnentrop: Zwar konnte die Gemeinde im Kreis Olpe mehr als 130 Anmeldungen für ihre Perspektivschule registrieren, doch im Raum steht immer noch die Klage Attendorns. Dort sorgt man sich um die Existenz der eigenen Schulen und möchte die Gemeinschaftsschule per Gerichtsbeschluss verhindern.

Verunsicherung bei Eltern

Eltern und Kinder auf Pausenhof; Rechte:dapd/Volker

Verunsicherung bei Eltern

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Dass Bürgermeister Dietmar Heß (CDU) der Klage gelassen entgegen sieht, zumal eine Reihe von Anmeldungen von auswärts – eben auch aus Attendorn - nicht berücksichtigt werden kann, beruhigt längst nicht alle Eltern. "Und was passiert, wenn das Gericht die neue Schule stoppt. Finde ich dann woanders noch einen Platz für meine Tochter?", fragt sichtlich nervös eine Mutter, die nicht genannt werden möchte. Sie zählt zu jenen, die sich zur Anmeldung an der Gemeinschaftsschule "gezwungen" fühlt. Schließlich hat die Gemeinde den Eltern keine Wahl gelassen. Angeboten wird in Finnentrop nur die Gemeinschaftsschule.


Urteil: Vorerst keine Sekundarstufe II

Auch andernorts beschäftigen sich die Gerichte mit der neuen Schulform. Nach der Klage des Hermann-Josef-Kollegs in Kall - das sich um seine Existenz sorgt - darf die Gemeinschaftsschule "Blankenheim/Nettersheim" vorläufig nicht mit einer Sekundarstufe II betrieben werden. Will heißen: die Schule geht im kommenden Sommer an den Start. Wie es in sechs Jahren zum Ende der Sekundarstufe I aber weitergeht, steht noch in den Sternen und wird nun im Hauptsacheverfahren entschieden. Doch dafür sieht das Gericht keine Eile.


Später Wechsel unerwünscht

Schulministerin Sylvia Löhrmann zu Besuch in der Gemeinschaftsschule Ascheberg; Rechte:dpa

Löhrmann wirbt für ihr Projekt

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Etliche Eltern sind angesichts dieser Ungewissheit verunsichert. Ein Vater bringt es auf den Punkt: "Wenn wir uns für die Gemeinschaftsschule entscheiden, die Sekundarstufe II aber verboten wird, muss unser Sohn nach sechs Jahren die Schule wechseln. Wir haben Sorge, dass sich das in so einer wichtigen Phase der Schullaufbahn negativ auf seine Leistungen auswirken wird. Schließlich wird er dann in einem schwierigen Lebensalter aus seinem sozialen und vertrauten Umfeld gerissen." Der Vater möchte nicht genannt werden. Er fürchtet, seine Äußerungen könnten negative Folgen für seinen Sohn haben.


Rücksicht auf Interessen der Nachbargemeinden

Für die Überlegungen hat man im Schulministerium durchaus Verständnis. Doch Barbara Löcherbach, die Sprecherin von Schulministerin Sylvia Löhrmann, beruhigt: "Da wird es eine Lösung geben." Ihre Chefin zeigt sich vielmehr darüber erfreut, dass die Klage des privaten Kollegs in Kall nicht zu einem kompletten Stopp der Gemeinschaftsschule geführt hat. "Alles Weitere wird in Ruhe geklärt werden. Dabei werden die Interessen von Nachbargemeinden und ihren Schulen berücksichtigt", versichert sie.


Ascheberg will fünfzügig werden

Eltern und Kinder in einem Klassenraum; Rechte:dapd/Volker

Ascheberg: Über 100 Anmeldungen

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Derlei Probleme sind Bert Risthaus fremd. Der CDU-Bürgermeister Aschebergs sieht sich anderen, für ihn durchaus positiven Herausforderungen gegenüber. Weit mehr als 100 Kinder wurden bis heute an der neuen Profilschule angemeldet. Insgesamt steht im Sommer für 180 Grundschüler der Wechsel zur weiterführenden Schule an. 60 bis 70 Prozent, so vermutet man in Ascheberg jetzt, streben zur Profilschule. "Mit so einem Andrang hätte selbst ich nicht gerechnet", gesteht Bert Risthaus gegenüber WDR.de. Um nicht zu viele Eltern und Kinder durch eine Ablehnung enttäuschen zu müssen, hat er nun in Düsseldorf beantragt, mit fünf statt der ursprünglich geplanten vier Klassen starten zu dürfen. Noch steht die Zusage aus. "Wir prüfen das derzeit", heißt es im Ministerium.





Stichwörter

Gemeinschaftsschule
  • Die Gemeinschaftsschule entsteht in der Regel durch die Zusammenführung bestehender Schulen.
  • In den Klassen fünf und sechs sollen alle Schüler gemeinsam lernen.
  • Für die siebte Klasse oder später entscheiden die Schulen, ob die Kinder weiter gemeinsam oder nach schulformspezifischen Bildungsgängen getrennt unterrichtet werden.
  • In der Gemeinschaftsschule können alle für die Sekundarstufe I vorgesehenen Abschlüsse erreicht werden.
  • Gemeinschaftsschulen bieten auch gymnasiale Standards an.
  • Sie verfügen entweder über eine eigene gymnasiale Oberstufe oder sie kooperieren mit der Oberstufe einer anderen Gemeinschaftsschule, eines Gymnasiums, einer Gesamtschule oder eines Berufskollegs, sodass klar ist, wo die Schüler die allgemeine Hochschulreife erwerben können.
  • Schüler der Gemeinschaftsschule erwerben das Abitur üblicherweise nach neun Jahren.
  • Für eine Gemeinschaftsschule sind vier Parallelklassen pro Jahrgang wünschenswert, mindestens erforderlich sind drei Parallelklassen.
  • Bei der Errichtung ist eine Mindestklassengröße von 23 Schülern vorgesehen. Der Höchstwert beträgt in den Klassen fünf und sechs bis zu 25 Schüler, ab der siebten Klasse bis zu 29 Schüler.
  • Bis zu einem Drittel der Lehrkräfte sollen die Lehrbefähigung für das Gymnasium haben.
  • Eine Gemeinschaftsschule kann nicht genehmigt werden, wenn eine Schule eines anderen Schulträgers dadurch in ihrem Bestand gefährdet wird.

Quelle: NRW-Schulministerium

Kommentare 

Bisherige Beiträge

Unglaublich vor 65 Woche(n)
Mittlerweile zählt sogar nicht mehr die freie Schulwahl. Die Nachbargemeinde Bad Sassendorf hat jetzt soagr 13 Kindern untersagt an die Gemeinschaftsschule Lippetal zu gehen.
Andreas vor 66 Woche(n)
@Marie: Ich will ihnen natürlich nicht absprechen, dass sie sich um eine gute Lernumgebung für ihre Kinder sorgen. Sie mögen auch Recht damit haben, dass die Zusammensetzung der Schülerschaft in manchen Gegenden weniger ausgeglichen wäre. Aber den Kindern dort ihre faire Chance auf gute Bildung abzusprechen, kann nicht das Ziel einer fortschrittlichen Bildungspolitik sein. In den skandinavischen Ländern sind die Gemeinschaftsschulen nicht ohne Grund ein Erfolgsmodell - nicht nur in bestimmten Regionen, sondenr überall. Was aber von dort ebenfalls übernommen werden muss und für einen Erfolg hierzulande zweifellos notwendig ist: Mehr Lehrer und kleinere Klassen. Also mehr Geld für bessere und fairere Bildung!
Anne Meier vor 66 Woche(n)
Ich bin selbst auf ein Gymnasium gegangen und bin daher wohl etwas voreingenommen gegenüber anderen Schulen, doch finde ich die Möglichkeit das Kinder lange gemeinsam lernen gut. Als Lehramtsstudentin finde ich die momentanene Ideen gut, aber noch nicht ganz ausgereift. Falls bzw. Wenn sich die Gemeinschaftsschule etablieren sollte, dann könnte ich mir gut vorstellen, dass meine eigenen Kinder auch mal eine solche Schule besuchen könnten. Ich denke aber, das wir dann den Unterricht etwa so gestalten sollten, dass ich zwei Lehrer um eine Klassenstärke von 25 +/- ein paar mehr Kindern kümmern müssen, um gute und schlechte Leistungen angemessen zu fördern. Oder die Klassen müssen mit unter 20 Schülern versehen werden, damit sich nur eine Lehrkraft um sie kümmern muss. Unterm Strich finde ich allerdings, sollte sich jetzt nicht alles auf die Gemeinschaftsschulen konzentrieren, sondern auf alle Schulformen, denn da hat Deutschland an allen Fronten Reformen dringend nötig!!
U.K. vor 66 Woche(n)
Hatte vor einigen Wochen einen Brief in unserer Tageszeitung veröffentlicht gegen eine \'Gemeinschaftsschule bzw. Gesamtschule, wir haben 2 Gymnasien und alle anderen Schulen auch, nur man könnte Hauptschulennzusammenlegen, geschrieben, da habe ich privat einen Brief aus Düssseldorf von Sylvia Löhrmann bekommen, die mir auf diese Weise indirekt einen Maulkorb verpassen wollte, was sagt ihr denn dazu?
Marie 2011 vor 66 Woche(n)
@Andreas Nein, Andreas, nicht weil dann einige Kinder aus dem von Ihnen beschriebenen Umfeld dort wären, sondern weil man hier keine vernünftige Mischung hinbekommt. Die Kinder können da nichts für!! Ich habe schon öfter gesagt, so tut man den Kindern keinen Gefallen. Und ganz ehrlich? Ich habe es relativ satt, sofort immer als arrogante Schnepfe dahingestellt zu werden, nur weil ich Dinge beim Namen nenne, die ich teilweise täglich mit eigenen Augen sehe.
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