WDR.de
WDR Wissen
Schule/Beruf
Hochschulen und Städte bereiten sich auf Studentenansturm vor
Ingo Wagner
Wenn in rund zwei Wochen die Semesterferien beginnen, werden viele Hochschulen in NRW die Gelegenheit nutzen, um Bau- und Instandsetzungsarbeiten durchzuführen, die wegen des Vorlesungsbetriebes aufgeschoben werden mussten. Inzwischen ist das sogar noch notwendiger als früher: Denn für die vielen neuen Studenten, die bis 2015 erwartet werden, müssen zahlreiche Gebäude umgebaut oder erweitert werden.
Schon durch die Aussetzung der Wehrpflicht werden sich jetzt mehr neue Studenten an den Hochschulen einschreiben als gewöhnlich. Und dann folgt der eigentliche Andrang durch den doppelten Abiturjahrgang 2013: Allein an der Universität zu Köln wird bis 2015 mit 7.500 zusätzlichen Studenten gerechnet, an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf werden rund 5.000 erwartet und in Aachen an der RWTH werden es etwa 4.000 sein.
Dafür wird nun intensiv gebaut. Vor allem neue Hörsäle müssen her: An der RWTH Aachen entsteht derzeit ein ganzes Hörsaalzentrum mit 13 neuen Hörsälen – es soll in zwei Jahren fertig sein. Auch an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf werden neue Gebäude errichtet oder intensiv modernisiert. Insgesamt erhält die Hochschule dafür vom Land rund 110 Millionen Euro. Das Geld kommt aus dem Hochschulmodernisierungsprogramm des Landes, durch das die nordrhein-westfälischen Hochschulen bis 2015 mit insgesamt acht Milliarden Euro unterstützt werden.
Der Wohnraum für die Studenten wird ein großes Problem sein: Das Aachener Studentenwerk zum Beispiel baut derzeit drei neue Wohnheime – mit 640 Plätzen. Das wird nach Ansicht von Stadt und Hochschulen aber nicht ausreichen: Sie haben sich zusammengetan, um mehr Wohnraum für die Studierenden zu beschaffen.
Dazu gehören auch Appelle an die Bevölkerung, Wohnungen an Studenten zu vermieten. Außerdem befindet sich die Stadt im Gespräch mit Investoren, die neue Gebäude mit Studentenwohnungen errichten sollen. Um es ihnen einfacher zu machen, gibt es neuerdings einen "Lotsen Bauen" bei der Stadt Aachen – er soll Ansprechpartner in allen Fragen rund um Planungs- und Baurecht bei der Schaffung von Wohnraum sein. Auch in Köln will das Studentenwerk im Notfall über Printanzeigen, Presseaufrufe und das Internet versuchen, mehr Wohnungen für Studenten zu bekommen.
An den Hochschulen in Nordrhein-Westfalen glauben die Verantwortlichen jedenfalls, alles getan zu haben, um den Studentenansturm aufzufangen. "Wir sind bestens gerüstet. Wir haben uns lange darauf vorbereitet. Es wird natürlich an der einen oder anderen Stelle zwicken, das ist völlig klar", sagt der Rektor der Fachhochschule Aachen, Marcus Baumann. "Aber wir haben alles Notwendige eingeleitet und ich bin sicher, dass wir mit diesem Anstieg schon zurechtkommen werden."
04.07.2011
Seite teilen