Von Katrin Schlusen
Wenn am Montag (10.10.2011) die Studenten in NRW ins Wintersemester starten, sind wegen der Aussetzung der Wehrpflicht mehrere Tausend Erstsemester mehr dabei als im vergangenen Jahr. Einer von ihnen ist Rik Schindler. WDR.de hat ihn während seiner Einführungswoche begleitet.
Rik Schindler schaut ein bisschen gequält. Bevor es mit der Exkursion losgehen kann, ruft seine Tutorin alle Namen aus der Gruppe auf. Anwesenheitspflicht. "Das hat mich zurück versetzt in die Schulzeit", sagt er. Rik nimmt wie etwa 180 andere Studierende an der Einführungswoche des Geographischen Instituts der Ruhr-Universität Bochum teil. Eine solches Warm-Up bieten viele Studiengänge in NRW für ihre Neulinge an. Das Besondere bei den Geographen in Bochum ist, dass sie sich die Teilnahme auf das Studium anrechnen lassen können. Mittlerweile hat die Tutorin - Melanie Vogel, selbst Studentin in einem höheren Semester - alle Namen von der Liste abgehakt, und es kann losgehen. Gleich am zweiten Tag an der Uni gibt es eine Exkursion. Die neuen Studis streifen quer durch das Lottental in der Nähe des Campus.
Wie Rik beginnen am Montag (10.10.2011) zehntausende ihr Studium an einer Uni in NRW. Laut NRW-Wissenschaftsministerium nehmen die Hochschulen wegen der Aussetzung der Wehrpflicht in diesem Jahr über 5.000 zusätzliche Studienanfänger auf. Das bislang unangenehmste Erlebnis von Rik und den anderen Geographie-Studenten war denn auch das Chaos bei der Einschreibung. "Ich musste dreieinhalb Stunden warten", erinnert er sich. "Für einen Vorgang, der letztendlich zehn Minuten gedauert hat." Auch am Tag der Exkursion ist das Thema Immatrikulation noch nicht vorbei. Ein Student kommt etwas später, weil er auf den Studienplatz nachgerückt ist und sich gerade erst einschreiben konnte.
Wie viele Studierende der Ruhr-Uni ist auch Rik ein Pendler. Um 8.06 Uhr hat er in seiner ersten Uni-Woche am Mülheimer Hauptbahnhof den Regionalexpress Richtung Bochum genommen. "In 40 Minuten ist man am Audimax", berichtet er. "Ich dachte, dass Pendeln sehr schwierig ist, aber bislang finde ich es ganz okay." Die Exkursionsgruppe hat es mittlerweile bis zu einem kleinen Fluss, dem Lottenbach, geschafft. Für Laien ist hier einfach nur ein kleiner Bach zu sehen, aber Tutorin Melanie versucht, den Blick der angehenden Geografie-Studenten zu schärfen - das Gewässer ist renaturiert und steht an einer Stelle nahezu still. In den kommenden Semestern sollen sie noch einiges zu diesem Thema lernen.
Zu Beginn des Studiums aber gibt es von Seiten des Instituts vor allem ernste Worte zum idealen Zeitmanagement von Studierenden. Mit dem Bild des Studenten, der erst mittags aufsteht, hat das nicht viel zu tun. Doch wie straff sich die Dozenten die Tagesabläufe ihrer Studenten vorstellen, das hat Rik zunächst geschockt. "Es gab keine Zeit für Hobbys oder Freunde", erinnert er sich. "Ich habe sogar kurz darüber nachgedacht, ob ich mich jetzt beim Volleyball abmelden muss." Aber dann dachte er sich, dass die Studierenden lediglich abgeschreckt werden sollten.
Ruth Kersting organisiert die Einführungswoche für das Geographische Institut seit zehn Jahren. "Für uns ist es wichtig, dass wir während dieser Woche der Wissenschaft ein Gesicht geben", sagt sie. Die Erstsemester sollen denken: Das ist mein Professor, und der sieht aus wie ein normaler Mensch. "Es geht natürlich auch um Inhalte", betont die 63-Jährige, "aber erstmal sollen sich die Studierenden kennenlernen." Und kennenlernen, das kann man sich auch in der Mensa. Das gemeinsame Mittagessen mit den Tutoren gehört ebenfalls zum Einführungsprogramm. "Ich habe vorher gedacht, da gibt es nur Kantinenfraß, aber das Essen ist sehr lecker und sehr günstig", findet Rick. "Was ich super fand, war, dass man beim Essen mit so vielen Mitstudenten ins Gespräch kommt."
Die Tutoren bleiben den Studenten auch nach der Einführungswoche erhalten. Wann immer sie während des ersten Semesters Probleme haben, können sie diese ansprechen. Außerdem bekommt jeder Student einen Mentor, einen Dozenten oder Professor, der sich während der gesamten Studienzeit um den Schützling kümmert. "Das ist eine super Hilfe", sagt Rik. Für ihn war bereits die Einführungswoche ganz schön anstrengend: "Ich bin mit meinen Klamotten ins Bett gefallen und habe drei bis vier Stunden geschlafen." Am Montag (10.10.2011) geht es für ihn mit seiner ersten Vorlesung weiter: "Einführung in die Geographie", zur luxuriösen Uhrzeit 16 bis 18 Uhr.
So viele Bewerber wie noch nie (15.07.2011)
10.10.2011 11:05
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