Klimawandel und Schonung der Umwelt sind große Themen – auch in der Schule. Filzstifte, gebleichtes Papier und Taschenrechner mit Batterien kommen bei vielen Schülern deshalb nicht mehr in den Schulranzen. Sie bemühen sich, an die Umwelt zu denken.
Die Schüler der Klasse 5d des Leverkusener Lise-Meitner-Gymnasiums sind voll bei der Sache. Alle holen aus ihren Tornistern umweltschonende, natürliche Materialien und legen sie auf den Tisch, der im Handumdrehen voll ist. Geschrieben wird hier nur noch auf Recyclingpapier und der Umweltgedanke macht für viele der Fünftklässler auch nach der Schule nicht Schluss, meint der 10-jährige Niklas: „Meinen Eltern habe ich jetzt gesagt, dass wir immer Umweltpapier kaufen sollen, anstatt gebeleichtes Papier.“ Das geht seinem Klassenkameraden Christopher noch nicht weit genug: „Meine Mutter ist Lehrerin, die nimmt sogar gebrauchte Blätter mit nach Hause und wir benutzen dann auch noch die Rückseite.“
Die Jugendlichen werden an ihrer Schule bereits seit Jahren für ein umweltbewusstes Verhalten sensibilisiert. Jede Klasse des Leverkusener Gymnasiums hat beispielsweise einen Energiesprecher, der dafür sorgt, dass Lichter automatisch ausgeschaltet und Fenster geschlossen werden. Dadurch spart das Lise-Meitner-Gymnasium von allen Leverkusener Schulen die meiste Energie. Das wird jedes Jahr von der Stadt ausgerechnet. Außerdem wird in jeder Klasse während der Freiarbeit das Thema Ökologie behandelt. Dabei lernen die Schüler auch viel über Materialien für eine ökologische Schultasche.
Aber auch die Pausenbrotverpackung wurde in der Leverkusener Schule genauer unter die Lupe genommen. Nun werden die Brote nicht mehr in Papier und auf gar keinen Fall in Alufolie verpackt, sagt Schüler Harun: „Wir packen sie in Butterbrotdosen, die man immer wieder benutzen kann.“ Auch Plastikflaschen aus dem Supermarkt sind verpönt. Mitschüler Jan weiß auch, warum: „Wir nehmen Trinkflaschen, die man immer wieder auffüllen kann. Die sind umweltfreundlich. Andere Flaschen schmeißt man aber immer weg und das schadet der Umwelt.“ Pierre hat den Umweltgedanken sogar auf den Brotbelag ausgedehnt: „Ich belege mein Butterbrot meistens mit Käse, weil der von Schafen kommt oder von Kühen und Ziegen und das ist umweltfreundlicher, als wenn man die Tiere tötet und dann Wurst isst.“
Lineale aus Holz, Buntstifte ohne Lackummantelung, Buntstifte anstelle von Filzstiften und Klebstoffe ohne Lösungsmittel, Radiergummis ohne Duftstoffe und Scheren ohne Plastikgriffe - damit wird inzwischen das ökologisch wertvolle Mäppchen gepackt. Das ist noch nicht alles, sagt Yvonne: „Hier haben auch viele Solartaschenrechner mitgebracht, die sind sehr umweltfreundlich, weil sie keine Batterien brauchen.“
Die Leverkusener Schüler begeistern sich für den Umweltschutz und entwickeln eine innere Haltung, die sie die natürlichen Ressourcen schonen lässt. Mitschüler Christian war zum Beispiel nicht damit zufrieden, nur die Batterien im Taschenrechner zu sparen. Er hat stattdessen zu Hause eine Uhr seines Vaters gefunden, die er jetzt benutzt. „Ich habe eine aufziehbare Uhr aus Holz mitgebracht. Hinten ist ein kleines Fach, da kann man einen Schlüssel herausnehmen und vorne aufdrehen.“ Diese alte Uhr tickt nun in seinem Zimmer anstelle einer batteriebetriebenen. „Der Umweltgedanke“, sagt Dirk Roth, der Klassenlehrer der 5d, „wird mit Begeisterung von den Kindern angenommen.“
Das hört Marianne Ackermann häufig, wenn sie mit Schülern über naturschonende Materialien und Energiesparen spricht. Seit Jahren leitet sie Kurse, wie „Papierfüchse aufgepasst!" oder „Ausbildung zum Müllvermeidungsprofi" und überzeugt die Schüler mit einfachen Rechenbeispielen, auf die Umwelt zu achten. Wie viel Energie schon durch einfachste Dinge gespart wird, kann man nämlich genau ausrechen. „Wenn man drei Blätter Recyclingpapier nimmt, an Stelle von weißem Papier, dann kann man mit der dadurch gesparten Energie eine Kanne Kaffee kochen.“ Das überzeugt die Schüler - auch, wenn sie noch keinen Kaffee trinken. Hochgerechnet spart eine Klasse, die in einem Fach wie Mathematik Recyclinghefte benutzt, so viel Energie, dass elf Energiesparlampen 100 Stunden leuchten können.
Glücklicherweise beteiligen sich in NRW immer mehr Schulen an Projekten, die die Schüler für einen schonenden Umgang mit den Ressourcen sensibilisieren sollen. Die Nachfrage ist inzwischen sogar so groß, dass Marianne Ackermann, die für das Leverkusener Naturgut Ophoven diese Kurse durchführt, keinen freien Termin mehr in diesem Jahr hat. Ein gutes Zeichen dafür, dass die nächste Generation umweltbewusster und schonender mit der Natur und ihren Ressourcen umgehen wird.