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03.10.2020, 22.04 - 24.00 Uhr | WDR 3

WDR 3 Open Sounds: Studio Elektronische Musik

Mit Leonie Reineke
techné [79]: Sinusitis / nexus [30]: Segmod

Junge Frau hinter einem Megaphon.

Sendung vom 03.10.2020

03.10.2020, 22.04 - 24.00 Uhr | WDR 3

  • Stereo

Der Sinus ist eine mathematische Funktion. Graphisch dargestellt ist er eine endlose, gleichförmige Welle. Und in fast allen Lebensbereichen lassen sich elementare Bewegungsmuster auf ihn zurückführen: Schallwellen, Wasserwellen, Radiowellen, Licht, Röntgenstrahlung und so fort. Eine Sonderposition nimmt der klingende Sinus ein - der Sinuston. In der Natur kommt er nicht vor, er kann ausschließlich künstlich erzeugt werden. Seine Klangfarbe wird oft als steril, neutral, leer oder charakterlos beschrieben. Und trotzdem - oder möglicherweise genau deshalb? - übt der Sinuston eine Faszination auf uns aus. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts taucht der Sinuston immer wieder in musikalischen Kontexten auf. Und selbst heute scheint sein Klang, der ebenso zeitlos ist wie er doch starke Assoziationen zur frühen elektronischen Musik hervorruft, Komponistinnen und Komponisten aus unterschiedlichen Bereichen zeitgenössischer Musik zu beeindrucken.
In der digitalen Klangsynthese ging es jahrzehntelang darum, zu demonstrieren, wie der Sound akustischer Instrumente mit Mitteln der Technologie nachgebildet werden kann. Mittlerweile allerdings - in einer Zeit, da die Errungenschaften der Digitaltechnik längst einen astronomischen Möglichkeitsraum eröffnet haben - stehen wieder andere Gedanken im Zentrum: so etwa in dem Projekt "Segmod" von Martin Lorenz und Luc Döbereiner. Die beiden Komponisten und Elektronikkünstler betreiben mit ihrem neu entwickelten Syntheseverfahren keine klangliche Mimesis, sondern es geht ihnen um eine computergenerierte Musik "als solche". Gemeinsam haben sie das Non-Standard-Syntheseprogramm Segmod entwickelt, mit dem für jeden Zyklus einer einfachen Wellenform (etwa einer Sinusschwingung) die Frequenz festgelegt werden kann. So erfolgt eine Frequenzmodulation nicht kontinuierlich, sondern pro Zyklus bzw. "segmentiert" - ein Ansatz, der denkbar weit entfernt ist von sämtlichen natürlichen Schwingungsvorgängen. Es entsteht eine Musik, die als genuin "digital" bezeichnet werden kann. Für ihre erste mit Segmod produzierte CD beauftragten Lorenz und Döbereiner sechzehn Komponistinnen und Komponisten, mit dem Programm zu arbeiten. Sie alle entwickelten kurze Stücke, die verschiedene Spielarten des Syntheseverfahrens involvieren. Und trotz der starken Beschränkung, die Segmod mit sich bringt - den Umgang mit lediglich einem Parameter: der Frequenz -, ist eine enorme Bandbreite klanglicher Resultate entstanden; von minimalistischen Rhythmuskompositionen über virtuose Klang(farb)-Artistik bis hin zu rein konzeptuellen Arbeiten. 2019 ist die CD beim Label "Dumpf" erschienen.

techné [79]: Sinusitis
Mit Stücken von Thomas Ankersmit, Chiyoko Slavnics, Ryoji Ikeda, Ryoko Akama, Sachiko M, Christoph Korn, Hanno Leichtmann, Thomas Stiegler, Hannes Seidl, Synthenphall und Ruth Anderson
ab 23:00:
nexus [30]: Segmod
David Pocknee:
Mel
Lula Romero:
mtrak
Veronika Klaus:
tschilpkrr
Ji Youn Kang:
PulSegMod
Yota Morimoto:
sgmd
Martin Lorenz:
Frequencies II / Frequencies III
Artemi-Maria Gioti:
Disjunction
Casper Schipper:
Don't tell Nyquist
Miriam Akkermann:
Shadow
Hanns Holger Rutz:
Légende, Studie
Demian Jakob:
DO / DO 9 / RE
Hadas Pe'ery:
The Spectre of Fibonaccism
Luc Döbereiner:
Keneko
David Pirrò:
Computational Studies of Entanglement #1