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01.01.2018, 20.15 - 21.45 Uhr | WDR Fernsehen

Zeitenwende - Unser Land in den 70ern

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Ein Film von Lukas Hoffmann, Martin Herzog, Jobst Knigge, Nicole Kraack, Frank Diederichs und Anke Rebbert Wiederholung: Di 01.29 Uhr

Das Leben ist eine Baustelle, heißt es. NRW ist eine Dauerbaustelle. Das gilt ganz besonders für die 70er: Nordrhein-Westfalen wurde umgebaut, von Grund auf. Lebensadern wie der Ruhrschnellweg wurden fertig gestellt, und eine ganze Handvoll Fußballstadien eigens für die WM 74. Hochhäuser kratzten plötzlich am Himmel. Anderen fiel der Himmel auf den Kopf: Schornsteine und Fabriktürme wurden dem Erdboden gleichgemacht. Der Wandel kam mit Macht: Noch rauchten die Kamine der Schwerindustrie und trieben die Wirtschaft an. Doch das Zechensterben war in vollem Gang, Hochöfen und Stahlwerke machten reihenweise dicht. Computer-Firmen wie Nixdorf in Paderborn zeigten schon Anfang der 70er, wohin die Reise ging. High-Tech statt Schwerindustrie.

So ergab sich ein seltsames Nebeneinander von Alt und Neu: Von Bergarbeitersiedlungen und futuristischen Wohnkonzepten, wie das Colonia-Hochhaus in Köln, bis heute eins der höchsten Wohnhäuser Europas. Auch im Verkehr prallte Altes auf Neues: Dampflokomotiven waren noch keine Museumsstücke, sondern fuhren nach Fahrplan, während in Hochschulstädten wie Aachen kräftig am ersten Elektro-Auto gearbeitet wurde. In manchen Gegenden von Siegerland und Eifel wurden die Felder noch mit Ackerpferden bestellt, während im Tal von Effelsberg ein riesiges Ohr ins All entstand - für viele Jahre das größte voll bewegliche Radioteleskop der Welt. Zeitenwende in NRW.

Die 70er waren ein bewegtes Jahrzehnt, in NRW vielleicht noch bewegter als anderswo, geprägt von gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, von RAF-Terror, Angst, Rasterfahndung. Aber auch von fantastischen Höhenflügen, für die Menschen aus NRW sorgten. Menschen wie Fußball-Legende Bertie Vogts, der 1970 zunächst mit der Borussia Mönchen-Gladbach Deutscher Meister wurde, und vier Jahre später mit der Nationalmannschaft auch noch die Weltmeisterschaft gewann. Menschen wie Juliane Werding aus Essen, die mit dem Lied "Der Tag, als Johnny Kramer starb" die Hitparaden eroberte. Menschen wie Ulrike Meyfarth aus Wesseling, die bei den Olympischen Spielen 1972 nicht nur die Goldmedaille im Hochsprung gewann, sondern gleich noch einen neuen Weltrekord aufstellte. Ebenfalls dabei sind auch der damalige NRW-Innenminister Burkhard Hirsch, Schauspielerin Marie-Luise Marjan, Frauenrechtlerin Alice Schwarzer und Undercover-Journalist Günter Wallraff. Im 90-minütigen Kinofilm "Die Zeitenwende" erzählen sie ihre Geschichten, teils mit bislang unbekannten Details und selten gezeigtem Filmmaterial aus dem WDR-Archiv.

Aber auch weniger bekannte Menschen aus unserem Land kommen zu Wort: Da ist der GSG-9-Mann Dieter Fox, der nach seiner Ausbildung in St. Augustin im Antiterroreinsatz bei der Suche nach dem entführten Arbeitgeberpräsident Schleyer eingesetzt war und zu dem Kommando gehörte, das die Geiseln in der entführten Lufthansa-Maschine "Landshut" befreite. Da ist die Vietnamesin Le Tu Phuong, die als 15-Jährige nach Oberhausen kam, um medizinisch behandelt zu werden und in NRW strandete. Da sind die Brüder Richie und Volker Kahl, die "Travoltas von der Ruhr", die sich in den neuen Diskos von der Revier-Tristesse los tanzten; und Jochen Bludau, der "Old Shatterhand von Elspe", der es schaffte, den " einzig echten" Winnetou für die Karl-May-Festspiele zu verpflichten: Pierre Brice.

Erzählt wird der Film über "Unser Land in den 70ern" von WDR 2-Moderator Thorsten Schorn, selbst ein Kind der 70er: Seinen bis heute anhaltenden Faible für die Farbe Orange führt er auf ein frühkindliches Kinderwagen-Trauma zurück.