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Unterhaltung
Mitternachtsspitzen
Sendetext vom 05.09.2009 - Wilfried Schmickler
Aufhören, Herr Becker aufhören! Kommen sie, Herr
Becker, lass mer Schluss machen und nach hause gehen. Hat doch eh
alles keinen Zweck. Da quasseln wir uns hier seit Jahren den Mund
fusselig und was passiert - nichts passiert.
Gar nichts! Wissen Sie, manchmal bin ich so unendlich müde!
Und das liegt jetzt nicht am Thema Beamten, das liegt ganz aktuell
am Ergebnis der vergangenen Landtags- und Kommunalwahlen, um
genauer zu sein: an der Wahlbeteiligung!
Das darf doch garnicht wahr sein. Da kriegen gerade mal schlappe 50
Prozent der Wahlberechtigten ihren Hintern hoch, und den andern
geht die ganze Veranstaltung komplett an eben diesem Hintern
vorbei.Das sind ja schon fast afghanische Verhältnisse!
Obwohl hierzulande keine bekifften Taliban mit dem Hackebeil vor
dem Wahllokal stehen, um den mutigen Wählerinnen und
Wählern die Finger abzuschlagen. Nein, hier bleiben die Leute
am Wahltag zu hause, weil sie angeblich alle so verdrossen sind,
weil sie von der Politik die Schnauze voll haben.
„Ach warum soll ich denn wählen gehen. Hat doch eh
keinen Zweck. Die da oben machen ja doch, was sie
wollen."
Und genau das machen sie eben nicht. Denn die da oben machen vor
allem das, was die wollen, die noch weiter oben sind.
Und deshalb unterstützt jeder, der nicht wählen geht, die
Radikalen in diesem Land. Und damit mein ich nicht die doofen
Rechtsradikalen, nein ich mein die radikalen Vertreter der
Rüstungs- und Pharmakonzerne, die Lobbyisten der Banken und
Geldwäschereien, die hochbezahlten Agenten der Stahl, Kohle
und Energieriesen. Die Kernkraftwerksbetreiber, die Autobauer, die
Großgrundbesitzer. Die gehen alle wählen! Und zwar
direkt da, wo die wichtigen Entscheidungen getroffen werden. Da
wählen die sich dann gezielt ein paar Entscheidungsträger
aus, und dann werden die systematisch belatscht und belabert und
nach allen Regeln der Lobbyisten-Kunst geknetet.
Ja, was glauben Sie denn, warum beispielsweise der Ackermann seinen
Geburtstag im Kanzleramt feiert? Weil die Merkel so einen leckeren
Sauerbraten macht?
Ja von wegen.
Weil er und seinesgleichen genau wissen, wo man die staatlichen
Investitions- und Subventionsflüsse am effektivsten steuert,
nämlich an der Quelle! Und diejenigen, aus deren Steuern und
Abgaben diese Quelle gespeist wird, die machen einen auf total
frustriert und verkriechen sich in die eigenen vier Wände, die
ihnen morgen schon weggepfändet werden. Ehrlich, da krieg ich
die Krise!
Oh Entschuldigung, ich weiß, das sind zwei Wörter, die
man zur Zeit nicht laut sagen darf: Krieg und Krise. Weil der eine
findet gar nicht statt und die andere ist angeblich längst
wieder vorbei. Mehr als zwei Drittel der Wählerinnen und
Wähler sind gegen die Beteiligung deutscher Soldaten am Krieg
in Afghanistan.
Und was macht der zuständige Minister?
Schwafelt und schwurbelt vom Stabilisierungseinsatz der Bundeswehr
in einer asymmetrischen Bedrohungslage. Da wird die ganz
große Nebelmaschine angeworfen und zwar solange bis keiner
mehr was sieht.
Nicht die Soldaten, die in dieser ganz und gar gescheiterten
Horrormission ihr Leben, ihre Gesundheit und ihren Seelenfrieden
lassen, nicht die Milliarden sinnlos verballerten Steuergelder und
nicht die erbärmlichen Resultate der ganzen Ballerei:
Wahlfälschung, Korruption, Drogenhandel und Tausende von
Toten in der Zivilbevölkerung. Und der Minister, der an jedem
Zinksarg von der Tapferkeit unserer Soldaten schwadroniert, der ist
zu feige in der Öffentlichkeit von einem Krieg zu
sprechen.
Und genau das ist es, was die Politik zur Zeit bestimmt. Keine
ökonomischen Zwänge und kein Sachverstand, keine
Programme und keine Visionen, nein es ist die pure Feigheit. Die
Feigheit vor dem eigenen Volk.
Wer hat denn von all diesen Figuren die Courage sich hinzustellen
und zu sagen:
Ja, wir werden von den Banken schamlos erpresst. Nein, wir werden
große Teile der deutschen Automobilindustrie nicht retten
können, tut uns leid, aber wir haben jeden überblick
über die explodierende Staatsverschuldung verloren und die
Zeche, die wir gerade machen, die ist völlig unbezahlbar. Ach
und übrigens, das mit den Arbeitslosen läuft
spätestens im Januar nächsten Jahres völlig aus dem
Ruder, weil dann sind die Wahlen vorbei und dann gibt es leider
kein Kurzarbeitergeld mehr und dann:
Nacht Mattes!
Nein, den Mut hat keiner! Stattdessen verstecken sie sich hinter
dämlichen Hochglanzplakaten und klopfen Sprüche, die sind
so hohl, das auch die letzte taube Nuss hört, was für
eine gewaltige Leere sich dahinter befindet.
Da treten sie nacheinander im Fernsehen auf und machen
irgendwelchen obskuren Praxistests. Dann sieht die
Wählerschaft dann, dass die Künast Mäuse melken kann
und der Lauterbach in der Lage ist, ein Fieberthermometer rektal
einzuführen.
Und wenn Sie jetzt fragen: Ja für wie blöde halten uns
diese Leute eigentlich, dann sage ich ihnen: Für ziemlich
blöde.
Und darauf gibt es eigentlich nur eine Antwort: Am 27. September
wählen gehen!
Und zwar alle!
98 Prozent Wahlbeteiligung, ich sage Ihnen das wäre ein
Schock. Und egal wie das Ergebnis dann aussieht, die Regierenden
wüssten dann zumindest, dass wir in Zukunft ganz genau und
hellwach hingucken, was da in unserem Namen für unsere Zukunft
entschieden wird.
Das wärs doch.
Stand: 03.11.2008